ABC der Spielpraxis - Forum Spielpädagogik e.V.

Suchen
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Wörterbuch der Spielpädagogik und Spielpraxis
Mit erprobten Tipps für eine kluge Spielleitung

Stichwortsammlung befindet sich online im Aufbau und wird laufend durch Beiträge der Mitglieder des FORUMs SPIELPÄDAGOGIK ergänzt und ausdifferenziert.


Allgemeine Spielpädagogik
Was ist Spielpädagogik überhaupt?

Spielpädagogik ist als selbständiges Spezialgebiet der Pädagogik erst etwa 50 Jahre alt. Aber schon immer und in allen Kulturen gab es Spiel. Und Menschen, die anderen, meist jüngeren, beigebracht haben wie man spielt. Und spätestens seit der Reformpädagogik der Weimarer Zeit gibt es eine Erziehung, die Spiel als wichtiges Erziehungsmittel methodisch einsetzt.
   Damit haben wir die zwei wichtigsten Anwendungsgebiete der Spielpädagogik genannt:
  1. Die Erziehung zum Spielen - also die Motivation dazu und die pädagogische Beeinflussung der Spieltätigkeit von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen;
  2. Die Erziehung mit und durch Spiel - also die Anwendung der Methode Spiel in organisierten Lernprozessen in Schule, Jugendarbeit, Familienerziehung, Weiterbildung.
Im einen Fall ist das Ziel, daß mehr und besser gespielt wird, und im anderen Fall ist das Ziel, daß besser gelernt wird (mit Hilfe von Spielen).
UB.

Auftreten der Spielleitung
Von der Präsenz der Spielleitung kann der Spielerfolg abhängen

Eine animative Spielgestaltung ist wichtig, wozu nicht zuletzt ein entsprechendes Auftreten der Spielleitung gehört. Ich empfehle, mit einer fantasievollen Spielgeschichte das Spielgeschehen einzuleiten. Dafür vielleicht ein uriges Utensil (Kopfbedeckung, Verkleidung) benutzen oder sich einen fiktiven Namen ausdenken, um sich den Mitspielenden in einer besonderen Rolle zu präsentieren. Dadurch entsteht nicht nur ein Überraschungseffekt, sondern es fällt insbesondere Jugendlichen dann leichter, auch in eine Rolle zu schlüpfen und ihre Alltagsidentität für die Spielmomente beiseite zu schieben. Dadurch können sie dann leichter auf einer nicht-ernsten Ebene mit den Mitspielern und der Spielleitung kommunizieren und interagieren.

TIPP: Selbstsicheres Auftreten bei der Spieleingabe
Die eigene Spielfreude am Spielen sollte den Mitspielenden spürbar vermittelt werden. Sofern es das Spiel erlaubt, mitspielen. Das fördert die Motivation der Teilnehmenden zum Mitmachen (erste Unsicherheiten werden überwunden).
Flexibilität und Lockerheit beim Ablauf der Spieleinheit bewahren (z.B. nicht starr auf die geplante und vorbereitete Abfolge der Spiele beharren, wenn die Gruppensituation etwas anderes verlangt).
RB
Gruppenaufteilung
Was ist bei der Aufteilung in mehrere Spielgruppen zu beachten?

Bei Spielen, für die eine Aufteilung in kleine Gruppen erforderlich ist, sollte auf eine faire Gruppeneinteilung geachtet werden, damit sich nicht immer „Dieselben“ zu einer Gruppe zusammenschließen. Es geht schnell die Spielfreude verloren, wenn sich immer die Starken gegen die Schwächeren zusammentun oder die, die das Spiel schon kennen, gegen die Neuen.
Verschiedene Möglichkeiten der Gruppeneinteilung: Man kann schlicht Durchzählen oder das Los entscheiden lassen. Oder nutzt verschiedene Kriterien, anhand derer sich die Gruppen bilden. Als Beispiel: Alt gegen Jung, Jungs gegen Mädchen, alle in Jeans oder mit roter Kleidung gegen die anderen – bei solchen Kriterien ist auf die Chancengleichheit zu achten! Haben die so entstandenen Gruppen beispielsweise wegen der körperlichen Unterschiede nicht die gleichen Chancen, sollte über die Gruppenzusammensetzung besser der Zufall entscheiden (z.B. mit einem Losentscheid).
Für die Entscheidung durch das Los gibt es viele Möglichkeiten. Je nach Anzahl in der Gruppe kann man Partner suchen lassen. Bei Zweiergruppen mit Hilfe von Karten eines Memory-Spiels oder bei Mehreren in entsprechend viele Teile geschnittene Postkarten. Oder mit Hilfe von verschiedenen farbigen Gegenständen (Gummibärchen, Murmeln, Wäscheklammern,…).
Vorab sollte bedacht werden, wie viele Mitspieler anwesend sind und ob sich die Gruppe so aufteilen lässt. Und: Will man als Spielleiter mitspielen oder nicht? So kann man als Spielleiter gegebenenfalls aber auch eine ungerade Spielerzahl ausgleichen.
TIPP: Für den Fall, dass nicht alle mit ihrer Gruppe einverstanden sind, kann man versuchen in einem Gespräch zu vermitteln, dass das gemeinsame Spiel wichtiger ist als zu siegen.  
MK.
Planungsaspekte für Spielaktionen
Einige Gesichtspunkte, die zu berücksichtigen sind

  • Spielleitung (Wer übernimmt die Spielleitung? Welche Rolle/n nimmt sie ein: z.B. Erklärer, Animateur, Anleiter, Mitspieler?)
  • Gruppengröße für die Spielaktion (Mindestzahl, maximale Zahl, wird für manche Spiele eine Aufteilung benötigt?)
  • Alter der Teilnehmer (bestimmte Altersstufe, alle Altersstufen?)
  • Umgang mit Störungen (Was könnte passieren und wie gehe ich damit um? Welche Lösungen habe ich vorbereitet?)
  • Ankündigung oder spontanes Spielen - z.B. im Rahmen einer Ferienaktion oder eines Familienfestes?
  • Spielort (geeignet?, frei?, ungestört?)
  • Vorbereitung (Material, Raum und Ort, ggf. Musik)
  • Klarheit der Spielregeln (für alle Mitspielenden klar und deutlich erklärt, kurz und knapp durch die Spielleitung, die sich vergewissern sollte, ob alle alles verstanden haben)
BBW
Spannungsbogen, Spieldramaturgie
Wie ist eine spannungsreiche Spielaktion aufgebaut?

Der Begriff Spannungsbogen wird häufig bei der Analyse und Rezension von Literatur, Filmen und Theaterstücken verwendet, seine Beachtung kann aber auch nützlich für die erfolgreiche Inszenierung einer Spielaktion sein.
Die zentrale spielpädagogische Frage zum Spannungsbogen lautet: „Wie inszeniere ich eine Spieleeinheit so, dass sie die Interessen und Motivationen der Teilnehmer mit zu agieren weckt und ihr aktives Engagement bis zum Ende aufrecht erhält?“
Der typische Spanungsbogenverlauf  lässt die Spannung auf einen Höhepunkt langsam zusteuern, gefolgt von einem Abklingen und endet mit einem deutlichen Schlusspunkt.

Im Spielkontext - egal ob bei einem Brettspielabend mit Freunden, einer Spielaktion mit Kindern oder anderen Teilnehmern - kann der Spannungsbogen so beschrieben werden:
Der Anfang (oder sogar schon die Ankündigung und Einladung) ist für ein interessiertes und gespanntes Mitmachen entscheidend.
TIPP: Eine gespannte Erwartungshaltung kann z.B. durch eine bereits in der Einladung angekündigte Überraschung hervorgerufen werden. Die Anfangsspannung kann auch erzeugt werden mit einem Rätsel, mit der Bezeichnung der Spieler als „Detektive“ oder „Forscher“ oder durch eine Aufforderung zur Problemlösung (wie in Kistners Kooperativen Abenteuerspielen).
Ein Spannungsmoment besteht für MitspielerInnen am Anfang auch darin, mit wem man in einer Kleingruppe zusammen spielt, wenn eine Gruppenaufteilung erfolgt.
Aufrecht erhalten wird die Spannung im weiteren Spielverlauf vor allem durch abwechslungsreiche, nicht unbedingt gradlinig verlaufende Handlungen und überraschendes Verhalten von Spielteilnehmenden.
Bei vielen Brett- und anderen auf Wettkampf beruhenden Spielen wird die Spannung gesteigert, je stärker sich die Agierenden dem Spielziel nähern und je weniger ein klarer Gewinner von vorne herein feststeht.
Der Spannungshöhepunkt entsteht bei den meisten Spielen durch die Problemlösung bzw. Erreichung des Spielziels. Bei einer Spielaktion kann auch eine gemeinsame oder gruppenweise Vorführung bzw. Präsentation den Höhepunkt bilden.
TIPP: Bei einer solchen Darstellung von Gruppenergebnissen ist eine geschickte Reihenfolge wichtig, damit beispielsweise die Präsentation einer eher uninteressanten Gestaltung am Schluss nicht die gute Dramaturgie des Aktionshöhepunkts zunichte macht.
Nach dem Höhepunkt kann es noch Spiele zum ruhigen Abklingen der gesamten Aktion geben, bevor beispielsweise ein gemeinsamer Kreistanz oder ein Aufräumspiel ein klares Ende definieren.
ALW.

Störung im Spielablauf
Was tun, wenn jemand nicht mitspielen will? Und ähnliche Probleme.

Um mit einer Störung des Spiels durch Anwesende im Spiel angemessen umzugehen, bedarf es neben einer konsequenten Haltung und einer eindeutigen Präsenz in der Rolle der Spielleitung eines guten Maßes an Einfühlungsvermögen in die Situation, in die möglichen Motive der Störungsauslösenden und in die Meinung der Teilnehmermehrheit.
Häufig wollen „Störenfriede“ Grenzen austesten, verlangen für sich Aufmerksamkeit und konkurrieren mit der Spielleitung, möchten gerne selber die Regie übernehmen.
Und Vorsicht: Ob eine Situation als Störung empfunden wird, hängt oft davon ab, wie viel Verständnis und Aufmerksamkeit die Gruppen- bzw. Spielleitung dem oder den vermeidlichen Störenfried(en) entgegen bringt. Mit Geduld und Fingerspitzengefühl können Mitspielende oft wieder ins Spielgeschehen integriert werden.

Einige Tipps aus der Praxis für die Spielleitung, die helfen können:

1. Bei einem Spiel, das Sie für die Gruppe ausgesucht haben, nicht mit Mitspielenden darüber diskutieren, ob ein anderes Spiel gespielt werden kann, nur weil ein oder zwei MitspielerInnen etwas anders spielen wollen.

2. Wird nach einem Aufteilungsspiel in Paaren gespielt, so sollte die entstandene Paarung beibehalten werden, auch wenn jemand nicht mit der betreffenden Person gemeinsam spielen möchte. Es könnte eine „Kettenreaktion“ dadurch ausgelöst werden, wenn die Erlaubnis erteilt wird, tauschen zu dürfen. Dann lieber kein Aufteilungsspiel machen, damit sich Paare „freiwillig“ finden können.

3. Immer im Focus haben, ob eine Störung bewusst provoziert wird, oder ob das Spiel vielleicht nicht verstanden worden ist, wenn es immer wieder zu Nachfragen kommt, die „nerven“ und den Spielfluss unterbrechen.

4. Kommt es zu Desinteresse während des Spiels, kann es zu provozierendem und störendem Spielverhalten kommen. Vielleicht ist es zu diesem Zeitpunkt nur das „falsche“ Spiel am „falschen“ Platz. Beenden Sie das Spiel „unauffällig“ und bieten Sie eine neue Spielidee an.

5. Es ist immer wichtig im Spielprozess darauf zu achten, wer mir bei einer auftretenden „Störung“ wichtig ist.
Ist es die Gruppe, so kann ich einer Person, die nicht mitspielen möchte, mit gutem Gewissen erlauben, aus dem Spielgeschehen auszusteigen. Damit kann das Spiel ohne große Unterbrechung fortgesetzt werden (vielleicht beteiligt sich die ausgestiegene Person aus Langeweile schon bald wieder am Spielgeschehen).
Ist mir die Einzelperson wichtig, die das Spiel nicht verstanden hat oder dem Spiel nicht so schnell folgen kann, dann ist die gesamte Gruppe gefordert, Rücksicht zu nehmen, damit auch diese Person integriert wird.
RB.

Umgang mit Spielregeln
Gruppenpädagogische Hinweise

Spielregeln bestimmen neben der Gruppenzusammensetzung und dem Spielleiterverhalten sehr stark den Ablauf eines Spiels und seine Wirkung. Die Regeln sollten leicht verständlich kommunizierbar sein. Zu komplizierte Spielregeln hemmen das Spiel und führen zu Durcheinander oder Unsicherheit bei den Spielern. Deshalb sollte man bei der Spielauswahl auch die Regeln durchdenken und überlegen, welche Probleme auftreten können. Spielvariationen können Situationen retten, wenn man merkt, dass etwas nicht funktioniert. Aber auch diese müssen dann klar und deutlich kommuniziert werden. Möglichst wenige und eindeutige Regeln geben allen Beteiligten Sicherheit und lassen dadurch auch Platz für Freiräume und Varianten. Am Besten fragt man vor dem Spiel die Regeln noch einmal ab bzw. fragt, ob noch etwas unklar ist.
TIPP: Bei Verständnisschwierigkeiten und zu komplexen Regeln kann es helfen, die Erläuterung der Regeln in Spielabschnitte aufzuteilen oder sie nicht nur sprachlich, sondern mit einem Probespiel oder einer kleinen Vorführung zu erklären.
Die Regeln, die zu Beginn vereinbart wurden, müssen dann auch von allen beachtet werden, da sich sonst schnell Ungerechtigkeiten entwickeln können. Die Spielleitung ist für die Streitschlichtung bei Regelverstößen zuständig.
MK.
Quellen der Texte zu den einzelnen Stichwörtern
  • Zeitschrift "gruppe & spiel": Heftschwerpunkt in der Ausgabe 5+6/2007. Friedrich Verlag, Seelze 2007
  • Mitglieder des Forums haben Stichwörter exklusiv für diese Website verfasst.
  • Ulrich Baer: Spielpraxis. Eine Einführung in die Spielpädagogik. Seelze 1995 (vergriffen)

Redaktion: Ulrich Baer, Köln

(Stichwortliste wird fortgesetzt)
 
Copyright 2018. All rights reserved.
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü